Netzwerk, Woche der Inklusion und Kobinet-Nachrichten

Veröffentlicht am Donnerstag, 16. Februar 2017 von Ottmar Miles-Paul

Freiburg (kobinet) Esther Schmidt engagiert sich zusammen mit ihrer Kollegin Charlotte Feninger als Team „Charlie und Luise“ in Freiburg als Inklusionsbotschafterin im Rahmen eines von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) durchgeführten und von der Aktion Mensch geförderten Projektes. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul sprach mit Esther Schmidt über die derzeit in Freiburg laufende Woche der Inklusion und ihre Wünsche für Freiburg.

kobinet-nachrichten: In Freiburg findet diese Woche eine Woche der Inklusion statt. Wie kam es zu dieser Initiative?

Esther Schmidt: Die Idee ging vom Sozialdezernat der Stadt Freiburg aus. Laut Guido Willmann von der dortigen Koordinationsstelle für Inklusion kam die Initiative letzten Herbst 2016 zusammen mit dem Sozialbürgermeister von Kirchbach ins Rollen, „um den Trägern, Gruppen und Initiativen die Möglichkeit zu geben, einmal die ganze Vielfalt und Buntheit in diesem Bereich zu präsentieren“.

Hintergrund dieser Veranstaltung ist der Aktionsplan für ein inklusives Freiburg. Weiterlesen hier >>

Neu: Frauen_mB im Feministischen Zentrum Freiburg

Ab 2017 finden regelmäßige Kontaktzeiten und Treffen der Netzwerk-Teil-Assoziation Frauen_mB im feministischen Zentrum (fz*) mit ebenerdigem Zugang statt.

Das fz* über sich:

„Das fz* ist barrierefrei. „Barrieren“ sind räumliche und gesellschaftliche Strukturen, die es Menschen mit Behinderungen erschweren, sich frei und selbstbestimmt zu bewegen. Im fz* haben wir bauliche Barrieren innerhalb der Räume weit möglichst verringert, darüber hinaus setzen wir uns auch mit innerlichen und strukturellen Barrieren auseinander. Dies können z.B. Berührungsängste oder Unwissenheit sein. Wir möchten eine Atmosphäre schaffen, weiterlesen (geöffnete Seite dann  runterscrollen) hier ->

Zum Thema Frauen mit Behinderung/Beeinträchtigung/chronische Erkrankung sind wir auch weiter zu sprechen im Rahmen unserer monatlichen Kontaktzeiten des Treffpunkt Freiburg.

Ankündigung: Vorstellung des Netzwerks im Rahmen der Freiburger Woche der Inklusion

woche-der-inklusion-plakatDie Koordinationsstelle Inklusion Dezernat III der Stadt Freiburg lädt vom 12. bis 18. Februar 2017 zur Woche der Inklusion ein. Träger von Institutionen, Vereine und Initiativen können beispielhaft ihre Inklusionsprojekte vorstellen. Das Unabhängige Netzwerk Inklusion Freiburg nimmt gleich zweifach teil: Am Freitag, den 17.02.2017 veranstaltet das von Menschen mit Behinderung gesteuerte Unabhängige Netzwerk einen Tag der offenen Tür im Treffpunkt Freiburg von 17.00 bis 20.00 Uhr. Seine Teil-Assoziation der Frauen_mB stellt sich am Samstag, den 18.02.2017 von 16-18 Uhr im feministischen Zentrum vor. Ziel der Netzwerk-Beiträge ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen. Es geht um Inklusive Sprache, Gesundheit und Pflege, Frauen und Behinderung/ chronische Erkrankung/Beeinträchtigung, das Verständnis von Inklusion, sowie um Engagement und Partizipation.

Treffpunkt Freiburg, 1. Stock Foyer = Raum 9), 79089 Freiburg. Bitte klingeln und bei Bedarf Rampe anfordern. Aufzug: 80cm Breite. Toilette für Rollstuhlnutzer vorhanden.

Feministisches Zentrum, fz*, Faulerstr. 20, 79089 Freiburg. ebenerdiger Zugang, unterfahrbare Küche, Toilette für Rollstuhlnutzer vorhanden. Zugang für Frauen_Lesben_Trans_Inter_

 

 

Unabhängiges Netzwerk Inklusion Freiburg als Modell-Projekt ausgewählt

Die Interessensvertretung  Selbstbestimmt Leben e.V. wählt Team Charlie und Luise zu Inklusionsbotschaftern

Eigene Erfahrungen einbringen und die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen – Dafür setzen sich Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen als InklusionsbotschafterInnen im Rahmen des von der Aktion Mensch geförderten Modellprojekt „InklusionsbotschafterInnen – Vernetzung von UnterstützerInnen auf dem Weg zur Inklusion“ ein. Durchgeführt wird das Projekt von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL).

Charlie und Luise wurden gemeinsam als Netzwerk-Inklusion-Freiburg-Team zu InklusionsbotschafterInnen_ ausgewählt.

Ihr Angebot: Menschen und Sachverhalte im Sinne der BRK (CRPD) zusammenzubringen.

Ihr Fokus: Empowerment im Bereich Frauen und Gesundheit sowie Peer Counseling (alle Bereiche).

Alle Interessenten sind herzlich zur participation eingeladen, denn:

„Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit.“ Hélder Càmara (brasilianischer Befreiungstheologe, 1909-1999)

Kontakt: info[at]inklusion-freiburg.org

Mehr zu den hier: Kurzvorstellung aller Inklusionsbotschafter

 

 

Was ist Partizipation? Eiin Zusammenhang mit technologisches Labor- oder Realexperiment.

„In der Verwirklichung [der Forderung nach Partizipation] hat sich ein weitläufiger Methodenkanon partizipativer Technikbewertung etnwickelt. […]. Die von Partizipationsprofis organisierte und unter kontrollierten Bedingungen stattfindende Beteiligung von Laien vollzieht sich weitgehend ohne Bezug auf öffentliche Kontroversen, politische Teilhabebestrebungen und individuelle Betroffenheiten. […sie] realisiert sich in aktuell relevanten Technologiekontexten – so die hier vertretene These- charakterischerweise als Laborexperiment. [Empirisch konnte gezeigt werden), das Laborpartizipation in der Praxis zu paradoxen Effekten führt: Die erfolgreiche Durchführung des Experiments resultiert in einer systematischen Enttäuschung jener Hoffnung auf Rationalitätsgewinne, die typischerweise mit Laienbeteiligung verbunden sind. […] Einer Wissensproduktion, der die gesamte Gesellschaft zum Labor wird, entspricht einer Teilhabepraxis, die sich aus der Gesellschaft ins Labor zurückzieht.“

Bogner A. Partizipation als Laborexperiment: Paradoxien der Laiendeliberation in Technikfragen / Participation as a Laboratory Experiment: Paradoxes of Deliberation on Technology Issues by Lay People. Zeitschrift für Soziologie. 2010;39(2):S. 87.

Was ist Partizipation? Ein Zusammenhang mit Teilhabe-Forschung.

„Teilhabeforschung wird sehr wesentlich »partizipative Forschung« sein müssen und Partei ergreifend für die, denen gegenüber die Menschenrechte verletzt werden. Mit dem Werk „Das Elend der Welt” weist Bourdieu (2005) erkenntnistheoretisch und forschungsmethodologisch einen Weg, der ein für die Teilhabeforschung unverzichtbares Fundament legt. Wird denen, die unter dem Aspekt der Teilhabeforschung arbeiten, diese Dimension nicht bewusst, wird sie schnell zur Legitimation beitragen, dass sich letztlich doch nichts ändern muss und die bestehenden Strukturen der Systeme der Behindertenfürsorge zu erhalten sind und diese Teilhabe schon garantieren werden. Wir sind dann wieder bei den Partnerschaften zwischen Sonderinstitutionen und Regelinstitutionen – wie gehabt. Die normierende Funktion von Forschung sollte nicht unterschätzt werden.“

Feuser, Georg: Teilhabeforschung aus Sicht von Forschung und Lehre (k)ein neuer Euphemismus ? (!). Zürich, 2011.

Unworte des Bundesteilhabegesetzes

Am 27.10.2016 fand auf Initiative des Netzwerks Inklusion Region Freiburg eine spannende Podiumsdiskussion zum höchst umstrittenen Bundesteilhabegesetz statt.

Obwohl die Veranstaltung recht kurzfristig organisiert worden war, schien der große Sitzungssaal im Technischen Rathaus Freiburg aus allen Fugen zu bersten.

Auf dem Podium:

Die hauptamtliche Behindertenbeauftragte Sarah Baumgart

Als Moderatorin Pia Maria Federer (Parität, Bündnis 90/Die Grünen, Stadträtin)

Mischa Knebel (Blinden- und Sehbehindertenverband)

Kerstin Andreae (MdB Bündnis 90/Die Grünen)

Matern von Marschall (MdB CDU) und

als Vertretung für Gernot Erler (MDB SPD) Renate Buchen (Gemeinderätin SPD).

Die Unworte der Veranstaltung´:

Zwangspooling

5 von 9 Regel

O-Ton der Anwesenden: Recht bekommt, wer über Mittel verfügt, das Recht einzuklagen.

Fazit: sozial benachteiligte Menschen mit Behinderung erwarten derzeit keine Stärkung sondern eine Schwächung Ihrer Rechte auf gesetzlich-legitimierter Ebene durch das vorgestellte Bundesteilhabegesetz.

Aussicht: Das Bundesteilhabegesetz kann schwerlich noch geändert werden, bevor es in Kraft tritt. Es soll jedoch unter anderem hinsichtlich seiner Fairness und Effizienz wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden und somit Raum für Anpassungen bereit stellen.